Johnstone

Das nach Margret Johnstone benannte Behandlungskonzept mit einer Luftpolsterschiene wurde von Ihr für die Therapie von schwerstbetroffenen Hemiplegikern entwickelt.
Der Behandlungsansatz wurde von den Johnstone-LehrtherapeutInen im „update 2007-PANat” aktualisiert und mit der neuen Bezeichnung PANat=PRO-active Approach to Neurorehabilitation integrating airsplints and therapy tool`s versehen.

Das Therapiekonzept orientiert sich an der psychomotorischen Entwicklung des Kleinkindes. Mit anderen Worten, die Fazilitation von komplexen, grobmotorischen Bewegungsabläufen, die zur Verbesserung der Rumpfkontrolle unerlässlich sind und viel zur Stabilität der proximalen Gelenke beitragen, spielt im Behandlungsplan eine wichtige Rolle.
Kinder können den Kopf heben, vom Rücken auf den Bauch in den Unterarmstütz rollen, sich kriechend oder robbend fortbewegen, in den Sitz oder Vierfüßlerstand kommen, gleichzeitig Gegenstände ergreifen und betasten, bevor sie stehen, gehen oder z.B. sich selber ankleiden können. Diese Reihenfolge steht im Widerspruch zu unserem therapeutischen Vorgehen. Doch wer mit Erwachsenen neurologischen PatientInnen arbeitet, weiß, wie wichtig es ist, ihr Bedürfnis nach Mobilität und Selbständigkeit zu respektieren. Niemand lässt sich unfreiwillig in ein Stadium frühkindlichen Verhaltens zurückzwingen.

Deshalb suchte M. Johnstone einen Weg, der es uns ermöglicht, die Aktivitäten des täglichen Lebens zu üben und gleichzeitig den PatientInnen ein intensives sensomotorisches Training zu bieten, welches sich an der psychomotorischen Entwicklung des Kindes orientiert. Das Konzept beinhaltet die vier folgenden Schwerpunkte:

  • An erster Stelle steht die Tonusregulation. Die Entwicklung der Spastizität ist unvermeidbar, jedoch müssen wir alles daran setzten, um sie auf dem Minimum zu halten. Durch korrekte Dehnlagerung und zirkulär anhaltendenDruck wird die Hyperaktivität der Motoneuronen positiv beeinflusst. Der Hypotonus in den schlaffen Körperabschnitten kann durch Gewichtsbelastung, Approximation und Druck aufgebaut werden.
  • HemiplegikerInnen weisen ein abnormes, stereotypes Haltungs- und Bewegungsmuster auf. Der/ die TherapeutIn fazilitiert die Bewegung und gibt den Betroffenen das Gefühl für normale, harmonische Bewegungen mit handlungsorientierter Zielsetzung.
  • Wo neben der Parese ein sensibles Defizit besteht (dessen Auswirkungen vom Behandlungsteam häufig unterschätzt werden) müssen den Extero- und Propriozeptoren gezielt dosierte Reize angeboten werden. Die sensible Wahrnehmungist die Grundlage der Bewegungserfahrung. Jede Bewegung ist eine direkte Antwort auf sensorische Reize, sei es visuelle, auditive, vestibuläre oder eben taktil-kinästhetische.
  • Das höchste Behandlungsziel ist das Auslösen von hochautomatisierten, schnell angepassten Gleichgewichts-, Schutz- und Stützreaktionen. Die Abstützreaktion auf den ausgestreckten Arm ist eine solche Schutzreaktion. Diese Fähigkeit ist wichtig, um sich der unerwarteten Lageveränderung anzupassen.

Ziele der Therapie sind die Vermeidung von Weichteilkontrakturen und/oder Dehnung der verkürzten Muskulatur, Stabilisierung der gelähmten Extremität, Unterstützung bei der frühzeitigen Gewichtsübernahme, passive Kontrolle des Stretch- Reflexes, Ausnutzung des Overflos (neuronale Aktivität), Schutz bei Schmerzen und Vermehrung des sensiblen Stimulation.